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Einmal um die Welt reisen …

Eine verrückte Idee: "Einmal um die Welt und zurück"

Ich war 17 Jahre alt und eigentlich auf dem besten Weg, das Abitur zu machen und zu studieren, als mir ein Buch von einem Globetrotter in die Hände fiel. Darin berichtete er von seinen Erlebnissen auf einer Weltreise – nur mit Rucksack und per Anhalter. Klasse! Diese verrückte Idee begeisterte mich. Als ich in den folgenden Jahren in Europa unterwegs war, lernte ich viele Menschen aus den verschiedensten Ländern kennen, die schon seit Jahren "on the road" lebten. Da stand für mich fest: Genau das will ich auch!

Gesagt, getan! Ich brach die Schule ab, zog von zu Hause aus und begann in Neustadt/Holstein (das ist in der Nähe von Lübeck) eine Lehre als Koch. Ich dachte mir, mit diesem Job komme ich viel in der Welt herum und kann mir meine Reise gut finanzieren.

Auf der Suche nach Orientierung

In der Zeit der Lehre brachen wichtige Fragen in mir auf: Wozu lebe ich eigentlich? Reicht es, für mich allein glücklich zu werden, oder gibt es auch einen tieferen Sinn meines Daseins? Was ist mein Beitrag für die Welt, in der ich lebe? Ich komme zwar nicht aus einem religiösen Elternhaus, doch stellte sich auch mir die Frage nach Gott: Gibt es ihn? Wenn ja, wer ist das und was hat er mit mir zu tun?

Ich begann, mich mit verschiedenen Dingen zu beschäftigen. Ich kam mit Leuten zusammen, die politisch aktiv waren, und arbeitete selbst in einer Menschenrechtsgruppe mit. Ich schaute mir an, wie die zusammengebastelte Religion unserer modernen Zeit (Esoterik / New Age) aussah. Auch mit Drogen hatte ich ein wenig zu tun.

Im Nachhinein verstehe ich diese Zeit so, daß ich anfing, auf eigenen Füßen zu stehen und meinem Leben ein eigenes Profil zu geben. Dahinter stand die Angst, oberflächlich und spießbürgerlich zu werden. Ich wollte mein Leben einfach nicht dem Materialismus unserer Konsumgesellschaft opfern! Sätze wie "Du bist, was du hast" und "Je mehr du hast, desto wertvoller bist du.", die unausgesprochen mit uns gehen, lehnte ich ab. Noch heute bin ich froh, daß ich damals diesen kritischen Blick hatte und diese Sehnsucht nach "mehr" verspürte.

Kontakt zu jungen Christen

In dieser Zeit lernte ich auch junge Christen kennen. Zum einen fand ich sie furchtbar altmodisch in ihren moralischen Ansichten. Zum anderen fand ich es aber spannend, sie kennenzulernen. Es beeindruckte mich zu sehen, wie sie die Bibel ernst nahmen als Gottes Wort. Ihr Glaube an Jesus Christus war kein Sonntagsglaube und auch kein Lippenbekenntnis, sondern hatte viel mit ihrem Leben zu tun. Ich fand sie ungeheuer herausfordernd. Ich spürte, daß ich ihnen mit meinen Fragen und meiner Sehnsucht nicht egal war. Ja, noch mehr. Je mehr ich nachfragte, um sie zu verstehen, desto mehr wuchs die Wertschätzung zueinander. Es entstanden Freundschaften.

Hinzu kam, daß mich faszinierte, was ich in der Bibel von Gott und dem menschlichen Zusammenleben las:

  1. daß wir Menschen nicht dem Zufall entspringen, sondern daß Gott unser Schöpfer ist,
  2. daß dieser Gott ein Gott des Friedens ist, der "Schwerter zu Pflugscharen" schmieden will,
  3. daß die ersten Christen ihr Hab und Gut miteinander teilten.

Dies alles war für mich eine echte Alternative zu der Weltanschauung und der Gesellschaft, in der ich lebte.

Was mich tief berührte, war die Vorstellung, daß der Gott der Bibel nicht irgendein Weltprinzip oder eine gute Idee ist. Nein, er ist viel mehr, nämlich ein "Du". Er ist ein Gegenüber, eine Person, die jedem von uns begegnen will und die mit uns leben will.

Ich erinnere mich noch gut an eine Oster-Demonstration für Frieden und Abrüstung, bei der ich ein Gespräch mit Christus erlebte. Man kann dies natürlich psychologisch in Frage stellen und als Gedankenspiel abtun. Für mich aber war dies eine geheimnisvolle Erfahrung, durch die ich die Liebe Jesu erfuhr. Das war für mich so echt wie jede zwischenmenschliche Begegnung auch.

Die Lebenswende

Kurz darauf war es dann für mich soweit. Ich hatte bereits vieles über den christlichen Glauben und Jesus Christus in Erfahrung gebracht. Und ich wußte: Genug jetzt. Ich muß die Sache festmachen. Nun liegt es an mir, ob ich mein Leben mit Christus gestalten will oder nicht. Es liegt in meiner Hand, auf mich allein angewiesen zu bleiben oder an der Seite Gottes zu leben, der mir seine Hilfe verspricht. Es ist wie mit einer Freundschaft oder einer Partnerschaft: Es kommt der Augenblick, in dem man sich einen Ruck geben muß und sich entscheiden muß.

Ich sagte mir: Ich will wissen, was dran ist! Und so entschloß ich mich, ab jetzt mein Leben mit Jesus zu leben. Ich vertraute ihm mein Leben im Gebet an, wobei mir zwei Christen halfen.

Der christliche Glaube ist für mich auch keine Ideologie mehr über Gott und Moral. Vielmehr erlebe ich den Glauben als eine tiefe Beziehung zu Gott. Durch Christus reicht Gott mir die Hand und gibt mir ein neues Zuhause. Durch ihn, Christus, will Gott mich von allem befreien, was mich hindert, wirklich zu leben: von meiner Schuld, meinen Ängsten, meinem Egoismus und meiner Hilflosigkeit. Glaube an Gott ist für mich Befreiung zum Leben!

Jesus ist gekommen, um sich auf unsere Seite zu stellen, da, wo wir verletzt und enttäuscht sind. Er steht zu uns, wo wir vor lauter Verzweiflung und Wut die Hoffnung aufgeben. Er ruft uns zu: "Kommt her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen sei. Ich will euch eure Last abnehmen" (Matthäus 11, 28). An anderer Stelle in der Bibel lesen wir, wie Jesus sagt: "Ich bin gekommen, den Gefangenen und Zerschlagenen zu verkünden, daß sie frei sein sollen" (Lukas 4, 18). Jesus gibt uns Hoffnung! Bei ihm hat unser Unglück nicht das letzte Wort. Im Gegenteil. Jesus will uns die Kraft geben, an den Herausforderungen unseres Lebens nicht zu zerbrechen, sondern an ihnen zu reifen. Er lädt uns ein, bei ihm ein "Ja" zu unserem Leben zu finden und damit auch die Kraft, es zu gestalten. So bleiben wir frei, und so wird der Glaube zu einer Kraft, der die Welt verändert.

Wie es weitergeht

Jesus hat einmal einen interessanten Vergleich benutzt: "Wenn Gott seine Herrschaft aufrichtet, geht es ähnlich zu wie bei einem Senfkorn, das jemand auf seinen Acker gesät hat: Es gibt keinen kleineren Samen; aber was daraus wächst, wird größer als alle anderen Gartenpflanzen. Es wird ein richtiger Baum, so daß die Vögel kommen und in seinen Zweigen ihre Nester bauen" (Mt 13, 31 und 32). Ich sagte mir: Wenn der Glaube so stark ist, will ich es wagen! Und so wurde aus der verrückten Idee, um die Welt zu reisen, ein Auftrag Gottes. Ich sah mich von ihm zur Mission berufen, d.h. zur Aufgabe, anderen Menschen weiterzusagen, was mir Jesus Christus bedeutet und was uns die Bibel sagt!

Ich begann, Theologie zu studieren. Es war mir wichtig, die Bibel noch besser kennenzulernen und mich so auf einen Dienst als Pastor und Missionar vorzubereiten. Ab Januar 2000 werde ich zusammen mit meiner Familie in Brasilien Menschen von Jesus weitersagen.

Gerald Kunde

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